Am 21. September 2026 hatten alle Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen der Europaschule die besondere Gelegenheit, einem Zeitzeugen der deutschen Teilung zu begegnen. Die Veranstaltung, die von Nicole Placzek-Ouaissa organisiert wurde, fand im Rahmen einer Doppelstunde im Glaskasten statt. Robert Krug berichtete hier aus seinem Leben in der DDR, von seinen Erfahrungen mit dem Staat und der Staatssicherheit sowie von seinem Weg in die Bundesrepublik. Besonders interessant war dabei zu hören, wie das politische System ihn selbst sowie sein Privatleben beeinflusst hat. Für Robert Krug war es bereits der zweite Besuch an unserer Schule.
In einem rund 60-minütigen Vortrag nahm er die Schülerinnen und Schüler mit auf eine persönliche Reise von seiner Kindheit bis in die Gegenwart. Krug wurde 1958 im damaligen Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, geboren. Seine Kindheit und Jugend in der DDR beschreibt er zunächst durchaus positiv: „Sie war schön, ich möchte sie nicht missen.“ Als Kind habe er an Zeltlagern teilgenommen, Sport getrieben, das Pionierhaus besucht und Musik gemacht. Die politischen Hintergründe des Systems habe er damals jedoch kaum hinterfragt. Schule und Organisationen wie die Jungen Pioniere und die Freie Deutsche Jugend prägten seine Sicht auf die Gesellschaft.
Besonders eindrücklich schilderte Krug die Zeit des Mauerbaus. Die DDR-Führung rechtfertigte den Bau der Mauer als Schutz vor dem Westen. Tatsächlich sollte die Grenze vor allem verhindern, dass Menschen die DDR verließen. Krug berichtete von lebensgefährlichen Fluchtversuchen und erinnerte daran, dass zahlreiche Menschen an der innerdeutschen Grenze ums Leben kamen. Auch seinen eigenen Weg vom überzeugten Jugendlichen zum kritischen Bürger schilderte Krug sehr persönlich. Erst im Laufe seiner Jugend begann er, die politischen Verhältnisse zunehmend zu hinterfragen. Er erkannte, wie stark seine eigene Sichtweise durch staatliche Erziehung und Propaganda geprägt worden war. Auch seinen eigenen Weg vom überzeugten Jugendlichen zum kritischen Bürger schilderte Krug sehr persönlich. Erst im Laufe seiner Jugend begann er, die politischen Verhältnisse zunehmend zu hinterfragen. Er erkannte, wie stark seine eigene Sichtweise durch staatliche Erziehung und Propaganda geprägt worden war. Seine kritische Haltung hatte für ihn schwerwiegende Folgen und brachte ihn mehrfach ins Visier des Ministeriums für Staatssicherheit. 1980 wurde Robert Krug vom Ministerium für Staatssicherheit verhaftet und wegen „staatsfeindlicher Hetze“ zu zwei Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Haftentlassung 1981 erhielt er ein Berufsverbot. 1983 wurde er erneut verhaftet und wegen „öffentlicher Herabwürdigung“ zu drei Jahren Haft verurteilt. Während seiner Haft erlebte er Einzelhaft, Verhöre, Überwachung und Schikanen. Auch nach seiner Entlassung fühlte er sich nicht frei, da seine Wohnung überwacht und seine Gespräche abgehört wurden. Schließlich stellte Krug einen Ausreiseantrag in die Bundesrepublik. Doch auch danach geriet er erneut in Konflikt mit den DDR-Behörden. Am Alexanderplatz in Ost-Berlin verteilte er Flugblätter gegen die atomare Aufrüstung und wurde deshalb erneut verhaftet. Im September 1984 kam schließlich seine Freilassung. Die Bundesrepublik Deutschland zahlte 64.400 DM für seine Freilassung. Anschließend kam Krug in das Notaufnahmelager Gießen.
Im Anschluss an den Vortrag hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Dabei ging es unter anderem um den geförderten Sport in der DDR, die Überwachung durch die Staatssicherheit und den Alltag in Kinderheimen und Gefängnissen. Zum Abschluss gab Robert Krug den Jugendlichen einen Gedanken mit auf den Weg, der weit über die Geschichte der DDR hinausweist: Man solle Informationen, die über Medien vermittelt werden, immer wieder hinterfragen, unterschiedliche Perspektiven kennenlernen und sich die Zeit nehmen, selbst nachzudenken.



