Kühl, aber trocken, also ideales Laufwetter, das stellen die OrganisatorInnen der Europaschule Gladenbach am Morgen des 5. Mai 2026 auf dem Sportfeld Biedenkopfer Straße fest. An diesem Tag findet der traditionelle Sponsorenlauf statt, den meisten in Gladenbach als „Tansanialauf“ bekannt. Das besondere Highlight in diesem Jahr? Unsere Gäste aus Kisomachi laufen mit.
Zweijährlich findet er statt, der große Lauf für die Partnerschule am Kilimanjaro. Manche nennen ihn inzwischen einen organisatorischen „Selbstläufer“, was diesmal nicht ganz zutrifft. Die Fachschaft Sport, sonst als Organisatorin aktiv auf dem Platz, kann nur mit wenigen Kollegen zugegen sein. Etliche LehrerInnen und natürlich die 13. Klasse stecken im Abitur.
S. Schiebel vom Arbeitskreis Tansania/Globales Lernen organisiert den Tag und wird von zahlreichen SchülerInnen, LehrerInnen und Mitgliedern des Fördervereins unterstützt. Bei noch kühlen Temperaturen stellen 12. und 13. KlässlerInnen Tische für Waffeleisen und Brötchen, dazu große Kocher für Heißwürstchen auf. Für kleine, kostenlose Flaschen Mineralwasser sorgt der Förderverein. Gute Lauflaune erzeugt eine DJ-Schülergruppe an der wuchtigen Musikanlage.
Während der ersten Schulstunde trudeln die ersten Grundschulklassen ein; sie sind bereits zu Fuß zum Sportplatz gewandert, sind aufgeregt und wollen gleich losrennen. Die Lehrerinnen überprüfen Klassen- und Lauflisten, stellen sich am Rand des Sportfelds auf oder machen sich für ihren eigenen Lauf bereit.
Die SchülerInnen haben sich im Vorfeld SponsorInnen gesucht, meistens natürlich in der eigenen Familie samt Oma und Opa, in ihrem Sportverein, in Geschäften etc. Für die „Intensivklassen“, in denen Kinder geflüchteter und neu angekommener Familien unterrichtet werden, werden im Vorfeld SponsorInnen aus dem Kreis ehemaliger KollegInnen gefunden. So wird erreicht, dass auch diese Klassen am Ende eine Laufsumme erzielen.
Kinder in der Grundschule laufen hochmotiviert, drehen zahlreiche Runden (1 Runde = 400 m) im Laufschritt. Sie feuern sich gegenseitig an und bringen sowohl LehrerInnen als auch ältere MitschülerInnen zum Staunen. Die Sponsorsumme für eine Runde will gut überlegt sein. Schon mancher Sponsor/manche Sponsorin hat gestaunt, wenn sein Läufer/seine Läuferin 50 Runden gedreht hat und er/sie zuvor 2 Euro pro Runde zugesagt hat.
Nach und nach trudeln auch die Mittel- und Oberstufenklassen ein; die Fläche rund um die Laufstrecke füllt sich, die Musik wird lauter. In den Jahrgängen ab Klasse 9 geht es gemütlicher zu; viele drehen untergehakt ihre Runden.
Philip Kyara, Schulleiter in Kisomachi, die Lehrerin Glory Kessy sowie Nicholas Lyatuu, alter Freund der Partnerschaft aus Moshi, und Edna und Halfani, SchülerInnen an der Kisomachi Sec. School, sind vom Lauf und der gesamten Organisation überwältigt. Careen (18 Jahre alt) ist dabei, eine Abiturientin aus Moshi, die ein Praktikum in einer Gladenbacher Schreinerei macht. Die Jugendlichen laufen mit, erst zögerlich, dann aktiv. Es ist ihr zweiter Tag in Gladenbach, in Deutschland, in Europa.
Nach zwei Stunden ist die Scheu überwunden. Musik verbindet. So beginnt Edna, zur „angesagten“ Musik zu tanzen, die anderen zwei schließen sich an. Im Halbkreis versammeln sich die Gladenbacher SchülerInnen und staunen. „Die trau’n sich was!“
Eine vielleicht 9-jährige Schülerin aus Somalia stürmt auf die tansanischen Gäste zu und spricht sie auf Kisuahili an. Sie fragt auch, was man in Kisomachi mit dem Geld „kaufen“ will. Philip Kyara erklärt, dass für eine Lärmschutz- und Sicherheitswand für das Schulgebäude gelaufen wird und man einen Computerraum brauche. Wann kommt ihr wieder, fragt die Schülerin zum Schluss.
Vom diesjährigen Sponsorenlauf profitiert auch die Europaschule. Am Standort Ringstraße entsteht ein neuer Mathe-, Informatik-, Naturwissenschaften-Technik-Bereich. Ein kleiner Teil der erlaufenen Gelder soll dafür genutzt werden.
Der Lauf unter Mitwirkung der tansanischen Gäste ist ein besonderes Glück, denn sie haben am Tag zuvor und vor allem nach dem Lauf zahlreiche Klassen besucht, von der Partnerschule erzählt, jede Menge Fragen beantwortet und den Zweck des Sponsorenlaufs anschaulich und authentisch gemacht.
Das Ereignis lockt auch einige Eltern und kleine Geschwister an, dazu ehemalige LehrerInnen der Europaschule, die sich mit der nun 33-jährigen Partnerschaft verbunden fühlen und den Lauf fest in ihren Zwei-Jahreskalender einplanen. Einige laufen mit.
Der Tag des Sponsorenlaufs ist weit mehr als Mittel zum guten Zweck. Selten gibt es ein Ereignis, das die ganze Schule so eindrucksvoll und in solch aktiver, solidarischer und froher Weise zusammenführt und in diesem Jahr „live“ mit unseren Partnern in Kisomachi verbindet.
„A great day“, so fasst Philip Kyara aus Kisomachi den Tag zusammen.
Dank zahlreicher SponsorInnen ist eine beachtliche Summe von 31.000 Euro erlaufen worden. Frau Preisig, Leiterin des Fördervereins, Herr Dr. Schmenk und Frau Schiebel ehrten am letzten Schultag vor den Ferien die Klassen mit der höchsten Spendensumme und der größten Laufleistung. Die 7G3 etwa schaffte im Durchschnitt 26 Runden pro SchülerIn. Die 5F3 schaffte 25 Runden. Die 1P1 erreichte mit 2170 € die höchste Spendensumme.




