Wie hat es sich angefühlt, die DDR zu verlassen und in eine völlig neue, unbekannte Zukunft aufzubrechen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Klasse 10G3 im Rahmen ihrer Projektwoche zur Vorbereitung auf die Berlinfahrt, die am Ende des Schuljahres ansteht.
Nachdem die Schülerinnen und Schüler in der vergangenen Woche bereits den Zeitzeugen Robert Krug kennengelernt hatten, konnten sie nun einen Ort besuchen, der eng mit seiner Lebensgeschichte verbunden ist: das ehemalige Notaufnahmelager in Gießen. Robert Krug war aus der DDR freigekauft worden und kam anschließend hier an. Seine persönlichen Erlebnisse hatten bei den Schülerinnen und Schülern bereits einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Vor Ort wurde Geschichte plötzlich greifbar. Bei der Führung durch das ehemalige Notaufnahmelager erfuhren die Jugendlichen, was Menschen erwartete, die aus der DDR in den Westen kamen: von der Flucht und der Ankunft über die Registrierung und medizinische Versorgung bis hin zu den ersten Schritten in einem neuen Leben. Dabei wurde deutlich, dass hinter den historischen Zahlen und politischen Ereignissen immer auch persönliche Schicksale standen. Auch nach dem Mauerfall stellte das Notaufnahmelager eine wichtige Anlaufstelle für Flüchtlinge aus aller Welt dar.
Das Notaufnahmelager war über 70 Jahre lang an seinem ursprünglichen Standort in Gießen beheimatet. Im Jahr 2018 wurde es in die Rottgauer Straße verlegt. Seit nunmehr einem Jahr wird der historische Ort als Lern- und Erinnerungsort genutzt. Hier können sich Schülerinnen und Schüler heute mit der Geschichte der deutschen Teilung auseinandersetzen und einen authentischen Einblick in die Lebenswege der Menschen erhalten. Für uns war der Besuch besonders eindrucksvoll, weil wir nach dem Gespräch mit Robert Krug nun auch den Ort kennenlernen konnten, an dem seine Geschichte weiterging.






