Histotainment mit Tino Leo – Ein-Personen-Stück „Einigkeit und Recht und Freiheit – Die Revolution von 1848/49“

J. Kalabis
13.07.2023

Histotainment, so nennt man das Format, bei dem historische Inhalte auf unterhaltsame Art vermittelt werden. In das Programm von Tino Leo investieren dabei zahlreiche Förderer, wie die Hessische Landesregierung oder die Hessische Landeszentrale für politische Bildung, die sich alle schon von den talentierten und einzigartigen Fähigkeiten des Schauspielers überzeugen konnten. Über 200 Anfragen deutschlandweit erreichten den Künstler, von denen insgesamt 70 ausgewählt wurden, welche allesamt in den letzten 9 Wochen aufgeführt wurden. Der Auftritt in der Europaschule Gladenbach stellte den vorerst letzten aus diesem Programm dar. Das Stück hat er u.a. bereits dem Bundespräsidenten und dem Hessischen Ministerpräsident beim Paulskirchenfest in Frankfurt vorgespielt.Tino Leo1

In dem Ein-Personen-Stück „Einigkeit und Recht und Freiheit – Die Revolution von 1848/49“ hat es sich Tino Leo zur Aufgabe gemacht, seinem Publikum 40 bedeutsame Jahre der deutschen Geschichte in nur 45 Minuten näher zu bringen. Das Muli-Talent nimmt uns dazu mit auf eine Reise in die Zeit des Wiener Kongresses, des Wartburgfests sowie des Hambacher Fests und somit in die Wiege unserer Demokratie. Dabei verkörpert er wichtige Figuren der Revolution, berichtet von den getarnten Treffen auf Familienfeiern und in Turnvereinen, dem Schmieden von Plänen, der Verbrüderung der Anhänger bis hin zum Scheitern der Revolution. Vor allem Bürger forderten zu dieser Zeit mehr Freiheiten, mehr Verfassung und weniger Fürstenherrschaft.
Tino Leo wechselt vom liberalen Revolutionär zum radikalen Reaktionär, von der Arbeiterin zum Adligen, von Kanzler Metternich zu Friedrich Wilhelm IV, vom Spion zum Bürger, ohne Kostümwechsel, mit einer Handvoll Requisiten. Wie er das schafft? Mit viel Leidenschaft, vollem Körpereinsatz, mit Dialekten und Gesang. Durch die enorme Kraft seiner Stimme ist er in der ganzen Halle präsent.
Tino Leo2„Die Revolution frisst ihre Kinder – mich zum Beispiel!“ verkündet er etwa als Johann Adam von Itzstein und nimmt uns mit in vergangene Zeiten, Orte und Schicksale. „Gegen Demokraten helfen nur Soldaten“, spricht er hingegen aus der Perspektive des Preußenkönigs, welcher mit aller Macht versuchte, die wachsenden Aufstände zu unterdrücken. Aber: „Was hier begann, ist nicht mehr rückgängig zu machen“, bedeutungsschwere Sätze, die auch nach den 45 Minuten noch nachhallen und den ZuschauerInnen nachdrücklich vermittelt haben, dass jeder Einzelne von uns auch heute eine große Verantwortung für die Demokratie trägt und diese niemals als selbstverständlich hinnehmen dürfen. Menschen, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, sind vielen ZuschauerInnen nach diesem Auftritt präsenter als je zuvor.
Lebendiger kann Geschichtsunterricht kaum sein! Belohnt wird der Schauspieler nach seinem Auftritt mit lang anhaltendem Applaus, bevor in einer offenen und anregenden zweiten Hälfte des Programms die SchülerInnen mit Tino Leo ins Gespräch kommen konnten. Den aufwendigen Prozess, von der ersten Recherche bis zum fertigen Stück sowie inhaltliche Rückfragen und persönliche Einschätzungen zu den historischen Begebenheiten rundeten die Veranstaltung ab und hinterließen einen tiefen Eindruck, der durch weitere Einblicke in sein Leben als Schauspieler, Sprecher, Coach und Leiter der Schauspielschule Mainz noch weiter verstärkt wurden. Wie schön, dass er trotz seines übervollen Terminkalenders Zeit für uns gefunden hat!