Trotz Erderwärmung und Jahrhundertsommern ist es nur schwer vorstellbar, dass Hessen in der Urzeit einmal inmitten tropischer Klimate – auf Höhe des heutigen Siziliens – lag. Tropische Urwaldvegetation, mit Lorbeer- Zimt- und Sternanis-Bäumen, bedeckte das von vielen Wasserflächen gesäumte Land. Kleine Pferde, gerade einmal so groß wie ein Labrador, lebten hier in Hessen vor 47 Millionen Jahren. Sie hatten noch wenig Ähnlichkeit ihren heutigen Nachfahren, den großgewachsenen Steppenpferden. Zu Fressen gab es die für die kleinen Waldbewohner genügend, jedoch mussten sie auch ständig auf der Hut sein, nicht selbst gefressen zu werden: sowohl bis zu vier Meter lange Alligatoren als auch der bis zu zwei Meter große Vogel Gastornis machte Jagd auf die Urpferdchen.

Aber woher weiß man so viel über das Hessen der Urzeit ,da doch kein Mensch dabei gewesen ist?
In der nähe des heutigen Darmstadts gab es in besagter tropischer Vorzeit einen kleinen See vulkanischen Ursprungs. Die Tiere, die dort hineinfielen, sanken zum Boden des Sees und wurden mit einer Schicht von Algen und Schlamm bedeckt. Schicht für Schicht, Jahr für Jahr. Der See verlandete und überdauerte die Zeiten. Im 19. Jahrhundert entdeckte man die Grube und baute die über die Jahrmillionen zu Ölschiefer gewordenen Algen- und Schlammschichten ab, um daraus Erdölprodukte zu gewinnen. Fossilien fand man auch bereits zu jener zeit, jedoch dauerte es bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, bis man die Bedeutung der dort zu findenden Fossilien erkannte. Heute ist die Grube Messel Weltkulturerbe und gilt als eine der bedeutendsten Fundstätten für Fossilien, da die Lagerung im ehemaligen Algen-Schlamm für eine hervorragende Qualität der Versteinerungen gesorgt hat. Besonders bekannte Funde sind der Urvogel Gastornis, die Urpferdchen und der frühe Primat „Ida“.

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Die Grube Messel ist gemeinsam mit Fachleuten begehbar und dies hat die Klasse 7G3 in der vergangenen Woche auch getan. Mit einer fachlich sehr versierten Mitarbeiterin des Besucherzentrums Messel erkundeten sie die Grube Messel. Anhand der Entstehungsgeschichte der Grube und vieler Anschauungsobjekte von in der Grube gefundener Fossilien, weckte Frau Finnen das Interesse der Schülerinnen und Schüler. Diese durften sogar auf den aktuellen Grabungsbereich des Grabungsteams des Museums Senckenberg. Auf dem Abraumhaufen der bereits durchsuchten Ölschiefertafeln suchten die Schüler selbst einmal nach Fossilien und wurden auch schnell fündig. Viele Schüler fanden versteinerte Lorbeer- oder andere Pflanzenblätter. Ein besonders schönes und gut erhaltenes Exemplar eines urzeitlichen Lorbeerblattes fand Meryem.

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Trotz langer Anreise mit der Bahn war die Expedition in die Urzeit für die Schülerinnen und Schüler äußerst spannend und ließ sie selbst einmal mit Händen und Augen begreifen, dass es in Hessen nicht immer so ausgesehen hat, wie es heute aussieht.

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