Pädagogischer Tag der Europaschule Gladenbach zum Thema Digitalisierung

Die „pädagogischen Tage“ waren zu Normalzeiten eine Art Vorläufer des Homeschoolings: Die Schülerinnen und Schüler freuten sich diebisch, dass sie nicht in die Schule mussten, während die Lehrkräfte sie mit Distanzaufgaben angemessen zu beschäftigen versuchten. Gleichzeitig drückten sie selbst in Fortbildungen die Schulbank oder arbeiteten kollektiv an der Schulentwicklung.

Am Dienstag, dem 20. April, kamen beide Aspekte zum Tragen: Das Kollegium der Europaschule Gladenbach versammelte sich virtuell in einer Videokonferenz, um sich zum Thema Digitalisierung weiterzubilden und in Folge ebendiesen Prozess an der ESG weiter voranzutreiben.

Denn dass am Digitalen kein Weg vorbeiführt, ist so klar wie das Display eines eBook-Readers. Die Frage ist nur: Welche Aspekte der alten, analogen Schule waren vielleicht gar nicht so übel und sollten beibehalten werden, und was muss in welchem Tempo den modernen Zeiten weichen?

Solchen Fragen widmete sich Thomas C. Ferber, der Leiter der Marburger Richtsberg-Gesamtschule, in seinem Vortrag. Und er fand eine recht eindeutige Anwort darauf: sprach vom „Museum Schule“, das die letzten zweihundert Jahre technischer Entwicklung verschlafen habe, vom „Bulimie-Lernen“ nur für die jeweils nächste Klausur, vom eingeengten „Brockhaus-Denken“ – und ließ generell kaum ein gutes Haar am traditionellen Schulsystem.

Ließ man den Anteil bewusst kalkulierter Provokation in seiner engagierten Ansprache einmal beiseite (Ferber erwähnte mehrfach, dass nun sicherlich ein Teil des Publikums „in Wallung gerät“), dann blieb eine durchaus konstruktive Fundamentalkritik am Schubladen-Schulsystem, in dem ständig eingeteilt wird: in Jahrgänge, in Klassen, in Fächer. Aber gerade diese stetige Kategorisierung, Aufteilung und damit Trennung widerspreche, so der Referent, leider grundlegend dem vernetzten Denken, das die komplexe Moderne uns abverlangt.

Gleichzeitig stellte er einen möglichen ersten Schritt hin zu einem alternativen Schulsystem vor: das „PerLenWerk“, halb Kofferwort, halb Akronym für eine „personalisierte Lernumgebung und Werkstätten“, mit der die Richtsbergschule sich auf den Weg in die Digitalität gemacht und gute Erfahrungen gesammelt hat.

So war es nicht weiter überraschend, dass ein gut Teil des überbordenden Digital-Enthusiasmus des Referenten dann am Nachmittag auf die Teilnehmer*innen des pädagogischen Tages überschwappte, als diese sich in Kleingruppen zusammenfanden, um – nun freilich doch noch nach Fächern sortiert, aber man muss ja mal irgendwo anfangen – ein umfassendes Konzept zur Nutzung digitaler Medien und Endgeräte an der Europaschule Gladenbach zu erarbeiten.

Denn wie lautete das Eingangs-Statement des Referenten so schön? „Digitalität geht nicht wieder weg.“ Das kann man als fatalistisch-resignierten Stoßseufzer verstehen – oder als Ansporn und Motivation.

Die Schaltzentrale der Videokonferenz in der ESGThomas C Ferber Leiter der Richtsberg Gesamtschule bei seinem Vortrag
Die Schaltzentrale der Videokonferenz in der ESGThomas C Ferber, Leiter der Richtsberg-Gesamtschule, bei seinem Vortrag

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