Einer der vielen Stämme in Tansania ist der Stamm der Massai. Sie leben im Süden Kenias und im Norden Tansanias. Man vermutet, dass rund eine Million Menschen diesem Stamm angehören. Sie führen eine halbnomadische Lebensweise und verdienen ihren Unterhalt mit Viehhandel und dem Verkauf von Schmuck und Tierprodukten.

Man vermutet, dass es die Massai schon seit dem 15. Jahrhundert gibt und sie seitdem im Osten Afrikas leben. Im 19. Jahrhundert wurde das Bild des kriegerischen Massai etabliert, da sie in dieser Zeit viele Landstriche einnahmen und andere Voelker vertrieben. Sie übten Raubzüge auf Karawanen aus und bedrohten die ansässige Bevölkerung.

Die Massai litten stark unter der Kolonialherrschaft, der Rinderpest und Hungersnöten, wodurch sie viel Einfluss verloren haben.

Ein durchschnittlicher Massai lebt in einer Hütte aus Lehm und Kuhdung, verbringt aber viel Zeit außerhalb der eigenen vier Wände. Sie treiben ihre Herden, welche gleichzeitig ihren sozialen Status und ihr Prestige darstellen, durch die trockenen Gebiete Tansanias, um Wasserquellen für die Tiere zu finden. Ein „guter“ Massai besitzt etwa 50 Rinder und teilt diese meist in kleinere Herden auf, welche oft von anderen Familienmitgliedern geführt werden.

Die Massai verfolgen eine eigene Religion mit dem Fokus auf dem Gott „Engai“, welcher als Schöpfer dargestellt wird. Ihrer Ansicht nach hat ihr Gott ihnen alle Rinder dieser Welt überlassen, weshalb sie viel Wert auf die eigenen Herden legen. Daher sehen sie alle anderen Rinderbesitzer als „Viehdiebe“ an, was ihnen selbst auch erlaubt, diesen ihre Rinder gewaltsam zu nehmen. Dies war früher oft ein Grund für kriegerische Auseinandersetzungen.

Die Massai sprechen eine eigene Sprache, welche „Maa“ genannt wird. Dennoch verfügen die meisten Massai auch über Wissen in Englisch und Swahili, wodurch sie sich auch im Land verständigen können.

Man führt bei den Massai ein polygames Leben, bei welchem die Anzahl der Frauen im Verhältnis zur Anzahl der Rinder steht. Zudem darf ein Massai-Mann einen anderen in seiner Altersgruppe darum bitten, mit dessen Frau zu nächtigen. Dies abzulehnen wird als unhöflich empfunden. Frauen haben bei den Massai kein Mitspracherecht. Es wird immer über sie hinweg entschieden. Ebenso wird bei den Massai die Beschneidung und die weibliche Genitalverstümmelung praktiziert.

Die typische Kleidung eines Massai besteht aus einem rot-schwarz karierten Mantel, welcher den gesamten Körper bedeckt. Zudem tragen sie einen hölzernen Stock, welcher ebenfalls ihren sozialen Status ausdrückt. Je geschmückter der Stock ist, desto höher ist der eigene Rang im Stamm. Die Massai-Frauen tragen viel Schmuck, welcher in ihrem Leben eine wichtige Rolle einnimmt.

Es gibt viele verschiedene Zeremonien bei den Massai, welche auch heute noch praktiziert werden. Das Töten eines Löwen, um eine Frau haben zu dürfen, ist jedoch weitestgehend abgeschafft. Ebenso trinken die Massai oft Rinderblut, welches auch häufig der Nahrung beigemischt wird. Dieses nennt man „saroi“.

Heutzutage gibt es viele Massai, die in Städten leben und Smartphones besitzen. Diese sind unauffällig und nehmen am normalen, sozialen Leben teil. Wenn sie zu ihren Familien zurückkehren können sie aber ebenso das typische Massai-Leben wieder aufnehmen und fügen sich in ihren Stamm ein.

Wir sind auf dem Weg nach Rundugai und zum Ngorongro-Krater durch Massaigebiet gefahren und sind vielen mit ihren Herden und auf Märkten begegnet.