Talk im Klassenzimmer mit Mr. Fulgence Massawe und Mr. Philipp Kyara von der Kisomachi Sec. School in Tanzania.

Gut zu tun hatten unsere Kollegen aus Kisomachi während der vergangenen zwei Wochen. Während Neema und Collins, die beiden tanzanischen Gastschüler_innen, jeweils in „E“-Klassen oder Kursen der Q2 über ihre Schule, ihre Familien, das Leben in dem kleinen Dorf Kisomachi am Kilimanjaro, aber auch in den nahe gelegenen Städten, wie Arusha und Marangu, berichteten, wurden die Herren Fulgence Massawe (Headmaster) und Philipp Kyara, Lehrer für Commerce, in ganz verschiedene Klassen der „unteren“ und „oberen“ Schule eingeladen.

P1100169Die Gäste, neben den oben erwähnten auch Mr. Pascal Sabbas und seine Frau Terry, die selbst Chemie-Lehrerin ist, äußerten ihr freudiges Erstaunen über die Offenheit und Fragehaltung der Schüler_innen.

So stellten Schüler_innen der 5F3, von ihrer eigenen Situation ausgehend, konkrete Fragen, z. B. nach Familie, nach Alter, nach Fußballvereinen, natürlich nach Tieren in Afrika etc. Sie nutzten die Chance, um sich etwas auf Kisuahili erzählen zu lassen. Beeindruckt hat die Klasse die Begeisterung, mit der Mr. Massawe das Land Tanzania vorgestellt hat; er erklärte, dass Tanzania beinahe das einzige Land auf dem Kontinent sei, in dem es keine Bürgerkriege, Gewalt gegen religiöse oder ethnische Minderheiten etc. gebe. D., ein Schüler aus Somalia, unterhielt sich mit den tanzanischen Lehrern auf Kisuahili und bestätigte diese Aussage.

Die Schüler_innen der 10 R1 hatten sich jeweils am Dienstagmorgen auf die Gesprächsrunde intensiv vorbereitet. Am ersten Dienstag fragten sie bis weit nach Stundenende zunächst nach der Geographie Tanzanias, nach dem Klima, der Bevölkerung, den Lebensbedingungen, Tieren etc. Anhand einer aktuellen Afrikakarte informierten die Herrn Massawe und Kyara auch über Nachbarländer, Konflikte, verschiedene Sprachzonen und Religionen.

Der zweite Dienstag galt vor allem der Erkundung des Schulsystems. Anhand von Bilderserien, die in kleinen Gruppen angeschaut und konzentriert diskutiert wurden, ergaben sich vertiefende Fragen nach der Schulpartnerschaft, nach Entwicklungsprojekten, nach der Bedeutung von Bildung für das Leben der gleichaltrigen Partnerschüler_innen in der Region am Kilimanjaro.

Die englische Sprache konnte dank des bilingualen Unterrichts in der 10 R1 gut zum Einsatz kommen. Die 10 R regte an, die Austauschaktivitäten nicht auf die Oberstufe zu begrenzen, sondern interessierte Realschüler_innen einzubeziehen, zumal die Schüler_innen am Kilimanjaro alle den O-level-Abschluss (Mittl .Abschluss) anstreben.

P1100313Neben allgemeinen Fragen zu „Land und Leuten“ knüpften die Themen der „Talk-Runde“ in der 9R1 an das eigene Unterrichtsthema „FREIHEIT“ an; es ergab sich eine lebhafte Diskussion über unterschiedliche Vorstellungen von Freiheit, von Einschränkungen individueller Freiheit etc. So staunte die Klasse darüber, dass in der Vorstellung der Kisomachi Sec. School, auch in Großteilen der tanzanischen Gesellschaft, die individuelle Freiheit im Alltag nicht an erster Stelle stehe, sondern die der Gemeinschaft, der Familie, der Schule etc. Der Respekt vor Älteren, der sich in eigenen Begrüßungsformeln widerspiegelt, regte zum Ausprobieren des „Shikamo“ an.

Das Thema „Schule“ stand im Fokus der 9G4; sehr konzentriert stellten die SchülerInnen Fragen nach Schulfächern, nach dem Einsatz von Schulbüchern, nach Abschlüssen, aber auch nach der Entwicklung der Partnerschule in den vergangenen Jahren, der Bedeutung des Schulgeldes etc. Sie nahm wahr, dass das Weiterentwickeln des naturwissenschaftlichen Unterrichts ein besonderes Zukunftsanliegen der Schule ist. Mr. Massawe beeindruckte die Arbeitsatmosphäre in der 9G4. „They asked for so many issues“.

Ja, sie wurde auch gestellt, die Frage nach Tigern in Afrika.

Die Klasse E2 interessierte sich überdies für das Alltagsleben in der ländlichen Region, ebenfalls für die Schulsituation. Auch die Frage nach dem politischen System in Tanzania war von Interesse. Die Herren waren bestens vorbereitet und erläuterten das Mehrparteiensystem, die langjährige Präsidentschaft von Jakaya Kikwete, der seit 2005 im Amt ist, etc.

P1100170Ganz oben auf der Frageliste stand allerdings die moderne Kommunikation via Mobilphon. Die Kollegen aus Kisomachi erklärten, dass das Handy im Geschäftsleben wegen fehlender oder überlasteter Stromnetze oft das Festnetz ersetze, dass sich natürlich kaum ein-e Schüler_in ein solches leisten könne und man in der Schule darauf achte, dass niemand ausgegrenzt würde. Und „There is no time for such activities“.

Die Stunden in den Klassen haben Schüler_innen wie Lehrer_innen als Chance erlebt, “live” persönliche und globale Fragen zu stellen, “Bilder” von “Afrika” zu verstehen und zu hinterfragen, die Widersprüchlichkeit, aber auch zahlreiche gemeinsame Erkenntnisse wahrzunehmen, gleichzeitig die Kommunikation und somit die langjährige Partnerschaft zu vertiefen.

In der 7G1 hatten die Gäste die Chance, am Mathematikunterricht teilzunehmen; Offenheit, Wissen und konzentriertes Mitarbeiten der Schüler_innen waren Thema in der Nachbesprechung beider Kollegen.

In der 7G2 stellte sich Collins, Schüler an der Kisomachi Sec. School, gern den Fragen. Aus mehr als 250 Bewerbern war er ausgewählt worden, an der Reise nach Deutschland teilzunehmen und seine Mitschüler zu repräsentieren. Die Fragen der Klasse nach Familie, Lieblingsfächern etc. beantwortete er präzise. Souverän sorgte er für Disziplin und erklärte frei, was ihm in Gladenbach gefalle und nicht gefalle. Offen merkte er an, dass ihm das Sich-Amüsieren über kulturelle Unterschiede, die er den Schüler_innen erkläre, nicht gefalle. Erstaunt und beeindruckt erfuhr die Klasse von seinem Lieblingstier, der Giraffe; in seiner Heimatgegend in der Nähe von Marangu sei sie frei, also außerhalb der Nationalparks, anzutreffen.

Der Wunsch unserer tanzanischen Partner-Kollegen, vor allem naturwissenschaftlichen Unterricht zu besuchen, konnte nur zum Teil erfüllt werden.

Unsere Freunde bedanken sich immer, wenn eine Frage gestellt wird; Mr. Massawe begründete diese Haltung mit seiner Freude über das Interesse des Fragenden an ihm als Gast. 

P1100312An dieser Stelle sei allen KollegInnen sehr herzlich für die Einladung der tanzanischen Partner in ihre Klasse gedankt; zu den erwähnten und anderen Klassen gehören Frau Fischer, Herr Hinder, Herr Born, Herr Kant, Herr Koch, Frau Reichel, Frau Rausch, Frau Schiebel, Herr Wege, Herr Seegelken, Herr Dr. Andersch, Frau Grenda, Frau Schnitzler und andere.

19.5.14, 18 Uhr

In etwa zwei Stunden erreichen unsere Freunde Nairobi /Kenia, um von dort gegen 5 Uhr morgens per Überlandbus nach Hause, d.h., in die Kisomachi Sec. School nach Moshi, zu fahren. Morgen Abend werden sie dort erwartet.

Die 14 Tage mit unseren Freunden und Partnern der Kisomachi Sec. School fasst für mich eindrücklich das Statement der neuen Reisegruppe am Festabend zusammenfassen:

„Wageni ni baraka!“ Gäste sind ein Segen.

P1100165 P1100168
P1100171 P1100308