Zwei Religionskurse der Eingangsstufe erkunden sakrale Räume

Am Ende des ersten Halbjahres zur globalen Frage nach der Bedeutung des Religiösen für den Menschen, auch nach dem Umgang mit religiösem Pluralismus und verbindenden Elementen in den Weltreligionen, bietet sich der Besuch zweier Orte an, an denen Geschichte von „Mensch und Religion“ besonders sicht- und erfahrbar werden.

Marburg ist reich an solchen „Orten“. Die Entscheidung fällt auf die Synagoge der jüdischen Gemeinde und auf die lutherische Pfarrkirche, zum Erstaunen aller die älteste Kirche der Stadt.

In mehreren Unterrichtsstunden sind Fragen vorbereitet worden, vornehmlich zum Judentum, zum Gemeindeleben, zu einzelnen Festen, Ritualen, aber auch zu politischen Themen, wie zum Israel-Palästina- Konflikt, zu möglichen rassistischen Vorfällen im Bereich der Synagoge o.ä.

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Man muss klingeln, will man die Synagoge betreten. Mehr Sicherheitsvorkehrungen sind uns als BesucherInnen nicht aufgefallen.

Herzlich empfangen werden wir von einem langjährigen Mitarbeiter der Gemeinde, der die Schüler bittet, eine Kippa, die Gebetskappe, aufzusetzen, um, der Thora verpflichtet, den heiligen Raum nicht barhäuptig zu betreten. Respektvoll und ruhig versammeln sich alle im modern gestalteten Innenraum. Die uns bekannten und durchaus harten Kirchenbänke sind hier tiefblaue Polstersitze. Die Decke besteht aus einem abstrakten Glasbild, das dem Bilderverbot im Alten Testament Rechnung trägt, gleichzeitig aber Friedenssymbole, Lichtfarben und sakrale Elemente des Judentums enthält. Der Blick ist auf „Jerusalem“, also Osten, gerichtet, d.h., man schaut auf riesige Thora-Rollen, die für uns geöffnet werden, aus denen mit Hilfe des Jad, einem Griffel mit einer kleinen Hand, ein paar Verse auf Hebräisch vorgelesen werden. Auch ein Schofar kommt zum Einsatz, ein Widder-Horn, das an Isaaks Opferung erinnert und seitdem rituell zu festlichen Anlässen geblasen wird.

Natürlich interessiert uns alle die bewegte Geschichte der mehr als 700 Jahre alten Gemeinde. Seit etwa 10 Jahren bleibt die Zahl der Mitglieder konstant bei etwa 350 bis 400, wobei nichtjüdische Angehörige mitbetreut werden, d.h., sie werden zu allen Veranstaltungen willkommen geheißen. Einige Nachkommen der Holocaust-Opfer und jüdische Familien aus Israel bzw. der ehem. Sowjetunion zogen nach 1989 nach Hessen, so auch nach Marburg.

Viele SchülerInnen fragen besonders nach den Sabbatregeln, nach dem Einhalten der Speisevorschriften etc. Manche sind erstaunt darüber, dass in der jüdischen Gemeinde, wie auch in der christlichen Kirche, unterschiedlich streng oder liberal gelebt und gefeiert wird.
Nach den beeindruckenden Informationen über jüdisches Leben in Marburg, auch seinen Gefährdungen, sind die ungezählten Stufen in die Oberstadt zur Lutherischen Pfarrkiche willkommen.

Anders, diesmal individuell, schweigend und anhand einiger Impulse zur Meditation erfolgt die Erkundung des Kirchenraumes. Jeder Schüler/jede Schülerin sucht sich einen Platz, an dem er/sie zur Ruhe kommt, von dem aus Bilder, Symbole, Fenster, der Altar etc. erkundet werden können. Biblische Inhalte werden notiert, Symbole entschlüsselt. Epochen, wie die Romanik und Gotik, werden an Bögen und am Taufbecken entdeckt.

Der Info-Flyer erstaunt mit seiner Information, dass die imposante Kirche mit der schiefen Turmspitze zu Beginn des 13. Jahrhunderts zu Oberweimar gehört hat und vor der Elisabethkirche erbaut worden ist.

Die vielfältige Gestalt von in Stein geformten Zeugen der Religionen ist an diesem letzten Januartag und an beiden „Lernorten“ unmittelbar erfahrbar geworden. Darin sind sich alle einig.

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